Cluster B — Verstehen & Berechnen
Kerninflation vs. Gesamtinflation
April 2026: Gesamtinflation 2,9%, Kerninflation 2,3%. Was ist der Unterschied — und welche Zahl solltest du wann betrachten?
Datenquelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Verbraucherpreisindex und Wägungsschema 2026 für Basisjahr 2025. Methodik nach ECOICOP V2. Stand: April 2026.
Gesamtinflation
2,9%
Alle Preise inklusive Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel.
Kerninflation
2,3%
Ohne Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel.
Warum überhaupt eine Kerninflation?
Die Preise für Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel schwanken stark — kurzfristig durch Wetter, Geopolitik, Erntefehlschläge oder Ölpreise. Diese Schwankungen verzerren das Bild der unterliegenden Inflations-Dynamik. Die Kerninflation rechnet diese Posten heraus und zeigt, was ‚im System‘ passiert.
Wann ist welcher Wert relevant?
| Anwendung | Relevante Rate |
|---|---|
| Tatsächliche Belastung der Haushalte | Gesamtinflation |
| EZB-Zinsentscheidung (mittelfristig) | Kerninflation |
| Tarifverhandlungen | Gesamtinflation |
| Geldpolitik-Trend einschätzen | Kerninflation |
| Renten-/Sozialleistungs-Anpassung | Gesamtinflation |
Welche HVPI-Variante zählt für die EZB?
Die EZB bezieht ihr 2%-Ziel auf den HVPI (Gesamtrate, Eurozone). Sie beobachtet aber die Kerninflation als Indikator für die Persistenz von Inflationsdruck. Wenn die Kerninflation hoch bleibt, während die Gesamtrate fällt, ist die EZB vorsichtiger mit Zinssenkungen.
Konkretes Beispiel April 2026
Energiepreise: +10,1% (Iran-Krieg-Folgen). Nahrungsmittel: +1,5% (relativ ruhig). Wenn Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel herausgerechnet werden, bleibt eine Kerninflation von 2,3%. Das zeigt: Der unterliegende Inflationsdruck ist moderat, die hohe Gesamtrate hauptsächlich durch volatile Energiepreise getrieben.