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Cluster B — Verstehen & Berechnen

Verbraucherpreisindex (VPI) erklärt

Der VPI ist das Maß der Inflation in Deutschland. Wie er berechnet wird, was hinter den Zahlen steckt — und was sich 2026 grundlegend geändert hat (ECOICOP V2, neue Indexbasis 2025=100).

Datenquelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), VPI-Wägungsschema Basisjahr 2020 (Revision 2023), ergänzt um die HVPI-Abteilung 13 „Körperpflege" (HVPI-Wägungsschema 2026). Aktuelle Inflationsdaten: VPI Mai 2026 (Destatis PM 199/2026). Stand: Mai 2026.

Was ist der VPI?

Der Verbraucherpreisindex misst, wie sich die Preise eines repräsentativen Warenkorbs von Konsumgütern und Dienstleistungen über die Zeit verändern. Er bildet die Inflation aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher ab.

Wie wird er erhoben?

Das Statistische Bundesamt (Destatis) und die Statistischen Landesämter erheben monatlich Preise zu rund 700 Güterarten in 188 ausgewählten Berichtsgemeinden. Insgesamt gehen pro Monat ungefähr 350.000 Preisbeobachtungen in die Berechnung ein. Online-Preise werden zunehmend per Web-Scraping ergänzt.

Das Wägungsschema 2026

Jede der 13 Abteilungen geht mit einem festen Gewicht in den Index ein. Die Gewichte werden alle 5 Jahre aktualisiert (zuletzt 2026 für Basisjahr 2025) und basieren auf der Konsumstruktur eines Durchschnittshaushalts.

Nr.AbteilungGewicht
1Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke11.5%
2Alkoholische Getränke und Tabakwaren4.1%
3Bekleidung und Schuhe4.5%
4Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe25.9%
5Einrichtungsgegenstände, Apparate und Hausrat5.0%
6Gesundheitspflege5.1%
7Verkehr12.8%
8Nachrichtenübermittlung2.5%
9Freizeit, Unterhaltung und Kultur11.0%
10Bildungswesen0.9%
11Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen6.2%
12Versicherungs- und Finanzdienstleistungen3.9%
13Körperpflege und andere Waren und Dienstleistungen6.6%

Indexbasis-Umstellung 2026

Seit Januar 2026 ist 2025 das Basisjahr (Index = 100). Vorher war 2020 das Basisjahr. Das ist ein Routinevorgang — alle 5 Jahre wird die Basis aktualisiert, damit das Wägungsschema dem aktuellen Konsum entspricht.

Was ist neu mit ECOICOP V2?

  • Eine 13. Abteilung: ‚Körperpflege und andere Waren und Dienstleistungen‘ wurde aus der bisherigen Abteilung 12 ausgegliedert.
  • Versicherungen separat: Abteilung 12 enthält jetzt ausschließlich Versicherungs- und Finanzdienstleistungen.
  • Detailierte Untergliederungen: Streaming, E-Bikes und Lieferdienste haben eigene Positionen erhalten.
  • EU-weite Harmonisierung: Vergleichbarkeit zwischen Eurozone-Staaten verbessert.

Häufige Fragen

Warum sind manche Online-Rechner falsch?
Viele Rechner nutzen noch die alte Indexbasis 2020=100 und das alte Wägungsschema mit 12 Abteilungen. Bei Berechnungen mit Daten aus dem Jahr 2025 oder 2026 führt das zu Abweichungen.
Warum hat Wohnen so ein hohes Gewicht?
Weil Haushalte im Schnitt ein Viertel ihres Konsums für Wohnen, Wasser, Strom, Gas und Heizöl ausgeben. Das ist die größte einzelne Kategorie — und gleichzeitig die mit der derzeit höchsten Inflationsrate (+9,8% im April 2026).
Wie wird der VPI in den USA oder UK berechnet?
Ähnlich, aber mit unterschiedlichen Wägungen. In den USA heißt das Pendant CPI, in UK CPI/CPIH. Die EU verwendet zusätzlich den HVPI (harmonisiert), der z.B. selbstgenutztes Wohneigentum nicht enthält.
Werden alle Preise gleich oft erhoben?
Nein. Volatile Posten (Treibstoff, Frischwaren) werden in mehreren Berichtswochen erhoben, andere monatlich. Mietpreise werden vierteljährlich aktualisiert.
Kann ich die Rohdaten selbst herunterladen?
Ja, Destatis bietet die Genesis-Online-Datenbank: destatis.de/themen/wirtschaft/preise. Dort findest du die Lange Reihe seit 1948 und alle Untergliederungen.