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Cluster E — Aktualität

EZB-Leitzins und Inflation

Die Europäische Zentralbank hat ein Mandat: Preisstabilität. Wie wirkt der Leitzins auf die Inflation? Wo stehen wir im Mai 2026?

Datenquelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), VPI-Wägungsschema Basisjahr 2020 (Revision 2023), ergänzt um die HVPI-Abteilung 13 „Körperpflege" (HVPI-Wägungsschema 2026). Aktuelle Inflationsdaten: VPI Mai 2026 (Destatis PM 199/2026). Stand: Mai 2026.

EZB-Leitzins (Hauptrefinanzierungssatz)

3,50%

Stand April 2026

EZB-Inflationsziel

2,00%

symmetrisch, mittelfristig

Wie wirkt der Leitzins?

  1. Banken-Refinanzierung: Wenn die EZB den Zins erhöht, wird es für Banken teurer, sich Geld bei der Zentralbank zu leihen.
  2. Kreditzinsen für Wirtschaft & Haushalte: Banken geben höhere Zinsen weiter — Hypotheken, Konsumkredite, Unternehmenskredite werden teurer.
  3. Reduzierte Nachfrage: Teurere Kredite dämpfen Investitionen und Konsum. Die Nachfrage sinkt.
  4. Niedrigere Preise: Wenn die Nachfrage zurückgeht, haben Unternehmen weniger Spielraum für Preiserhöhungen.
  5. Stärkerer Euro: Höhere Zinsen ziehen ausländisches Kapital an. Der Euro wertet auf, Importe werden günstiger.

Die volle Wirkung tritt erst nach 12–18 Monaten ein. Geldpolitik ist ein langsames Werkzeug.

Leitzins-Verlauf 2022–2026

DatumLeitzinsInflation
Januar 20220,00%5,1%
Juli 2022 (1. Erhöhung)0,50%7,5%
September 2023 (Höhepunkt)4,50%4,5%
Juni 2024 (1. Senkung)4,25%2,5%
Dezember 20253,50%1,8%
April 20263,50%2,9%

Der ‚Volcker-Schock‘ als Vorbild?

Anfang der 1980er hob US-Notenbankchef Paul Volcker die Federal-Funds- Rate auf bis zu 20%, um die zweistellige Inflation zu brechen. Funktionierte — kostete aber zwei Rezessionen. Die EZB ist dieser Linie treu gefolgt: schnelles und entschlossenes Anheben, dann geduldiges Halten.

Was treibt die nächste Zinsentscheidung?

  • Kerninflation: Aktuell 2,5% — bewegt sich auf das Ziel zu. Erlaubt Spielraum.
  • Inflationserwartungen: EZB Survey of Professional Forecasters Mitte 2026: 2,1% in 5 Jahren. Stabil verankert.
  • Lohnentwicklung: Eurozone-Lohnwachstum 2026 ca. +3,2%. Akzeptabel, aber nicht günstig.
  • Wirtschaft: BIP-Wachstum 2026 ca. +0,9%. Schwach, spricht für Lockerung.

Konsens am Markt: Erste Zinssenkung Sommer 2026, Endzins 2,75% Ende 2026.

EZB-Inflationsziel — was es bedeutet

Seit der Strategie-Überprüfung 2021 hat die EZB ein symmetrisches 2%-Ziel über die mittlere Frist. ‚Symmetrisch‘ heißt: Sowohl Unterschreitungen als auch Überschreitungen sind gleichermaßen unerwünscht. Vorher war das Ziel ‚unter, aber nahe 2%‘ — was asymmetrisch ein Plädoyer für Vorsicht nach unten war. In der erneuten Strategieüberprüfung im Juni 2025 bestätigte die EZB das symmetrische 2%-Ziel und kündigte bei starken, dauerhaften Abweichungen eine „kraftvolle oder lang anhaltende" geldpolitische Reaktion an.

Häufige Fragen

Warum reagiert Inflation so langsam auf Zinsen?
Weil viele Verträge (Mieten, Tarife, Kreditverträge) mit Verzögerung anpassen. Erst nach 12–18 Monaten ist die volle Wirkung sichtbar.
Sind 2% das richtige Ziel?
Akademisch umstritten. Manche argumentieren für 3% oder 4%, weil das mehr Spielraum für Zinssenkungen in Krisen lässt. Die EZB hat sich aber 2021 explizit für 2% entschieden.
Hätte die EZB früher reagieren müssen?
Im Nachhinein leichter zu sagen. 2021 sah es zunächst nach Pandemie-Nachwehen aus, die ‚transitorisch‘ wirken sollten. Die Entscheidung zur ersten Zinserhöhung im Juli 2022 wird oft als zu spät kritisiert.
Was ist der Unterschied zwischen Hauptrefinanzierungssatz und Einlagezins?
Der Hauptrefinanzierungssatz ist der Zins, zu dem Banken sich Geld bei der EZB leihen. Der Einlagezins ist der Zins, den Banken erhalten, wenn sie Geld bei der EZB parken. Aktuell sind beide 3,5% bzw. 3,25%.