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Cluster A — Kaufkraft & Historisch

Inflation 2022–2024 — Die Energiekrise

Im Herbst 2022 erreichte die deutsche Inflation 10,4% — den höchsten Wert seit den 1950er Jahren. Wie es dazu kam, wie es endete, und was wir daraus für 2026 lernen.

Datenquelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), VPI-Wägungsschema Basisjahr 2020 (Revision 2023), ergänzt um die HVPI-Abteilung 13 „Körperpflege" (HVPI-Wägungsschema 2026). Aktuelle Inflationsdaten: VPI Mai 2026 (Destatis PM 199/2026). Stand: Mai 2026.

Verlauf in drei Phasen

Phase 1: 2021 — Pandemie-Erholung

Nach dem Lockdown stiegen die Preise zunächst wegen Lieferketten- Engpässen und aufgestauter Nachfrage. Die Inflation kletterte von 0,5% (Januar 2021) auf 5,3% (Dezember 2021). Energie war hier ein erster Treiber, aber noch nicht dominant.

Phase 2: 2022 — Russlands Angriffskrieg

Mit dem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 stürmten die Energie- und Lebensmittelpreise. Gas, Strom und Heizöl verteuerten sich massiv. Nordstream wurde im September gesprengt. Der Höhepunkt der Inflation lag im Oktober 2022 bei 10,4% — getrieben von +43,1% Energiepreisen.

Phase 3: 2023–2024 — Normalisierung

Durch den milden Winter, die Gasspeicher-Strategie, LNG-Importe und schließlich auch durch die EZB-Leitzinserhöhungen sank die Inflation. Jahresdurchschnitt 2023: 5,9%. 2024: 2,2%. Die Energiepreise wurden ab Frühjahr 2024 sogar wieder negativ (gegenüber dem hohen Niveau 2023).

Welche Gegenmaßnahmen wirkten?

  • Energiepreis-Bremsen (März 2023 – April 2024): Strom-, Gas- und Wärmepreisbremse zahlten direkt eine Subvention auf Verbrauch bis 80% des Vorjahres. Etwa 99 Mrd. € Bundesausgaben.
  • Mehrwertsteuer-Senkung Gastro: 7% statt 19% auf Speisen — von Juli 2020 bis Dezember 2023.
  • EZB-Leitzinserhöhungen: Von 0% (Juli 2022) auf 4,5% (September 2023). Dämpfte Nachfrage über teurere Kredite und stärkte den Euro.
  • Gasspeicher-Befüllung: Die Trading Hub Europe (THE) kaufte aktiv Gas auf Anweisung der Bundesregierung. Bis November 2022 waren die Speicher zu 100% gefüllt.
  • Energiepauschale 300 €: Einmalig im September 2022. Kostete den Bund ca. 13 Mrd. €.

Was nicht funktionierte

  • Gas-Umlage (Habeck-Umlage): Im August 2022 angekündigt, im September wieder zurückgenommen. Hätte zusätzlichen Inflationsdruck erzeugt.
  • Tankrabatt (Juni–August 2022): Nur ein Teil der Steuersenkung kam an der Zapfsäule an. Studien zeigten: Etwa 60% der Senkung wurden weitergegeben, der Rest in Margen der Konzerne absorbiert.

Inflationsraten im Überblick

Jahresdurchschnitt

3,1%

2021

Jahresdurchschnitt

6,9%

2022

Jahresdurchschnitt

5,9%

2023

Jahresdurchschnitt

2,2%

2024

Häufige Fragen

War die Inflation 2022 nur durch Russland verursacht?
Nein, der Krieg war der größte einzelne Treiber, aber nicht der einzige. Pandemie-Nachwirkungen, gestörte Lieferketten, Halbleitermangel und ein extrem niedriges Zinsniveau über Jahre wirkten zusammen.
Warum traf es Deutschland besonders hart?
Deutschland war stark abhängig von russischem Gas (ca. 55% der Gas-Importe vor dem Krieg). Industrie und Haushalte spürten den Energieschock besonders.
Wann wurden die Reallöhne wieder positiv?
2024. Nach zwei Jahren Real-Lohn-Verlusten (2022: −4,1%, 2023: −0,4%) gab es 2024 wieder Reallohnzuwächse von ca. +3,8%. Die Tarifabschlüsse brachten zusätzlich Inflationsausgleichsprämien (steuerfrei bis 3.000 €).
Droht eine Wiederholung 2026?
Nicht in dieser Stärke. Die Energiepreise im April 2026 (+10,1%) sind erhöht durch den Iran-Krieg, aber die Gesamtinflation liegt bei moderaten 2,9%. Die EZB-Geldpolitik ist deutlich straffer als 2021, und Gasspeicher sind gut gefüllt.